Willkommen im Café Amacord

Wo sich Rechte Wienzeile und Schleifmühlgasse kreuzen, führen ein paar Stufen ins Paradies. Und dieses Paradies heißt Café Amacord. Und doch ist es mehr als nur ein Café. Mehr als eine mediterrane Bar. Viel mehr als ein Gasthaus. Es ist „das Amacord“. Ein zauberischer Ort, mit dunklem Holz und warmen Tönen. Ein Ort für Gespräche und Schweigen, für Lachen und Weinen, Genuss und Drama, für Philosophisches Banales. Hier kann man die Zeit vergessen – oder sich selbst. Hier kann man Zeitung lesen, Spiele spielen, wichtige und unwichtige Leute treffen. Geschäftliches und Privates besprechen. Intrigieren. Sich verlieben. Streiten. Glücklich sein – oder traurig. Zuhören. Zuschauen. Oder eine Bühne finden. Denn im Café Amacord finden alle ihren Platz: Rebellen und Arrivierte, Künstler und Geschäftsleute, Straßenkehrer und Polizisten, Marktstandler und Studenten, Genießer und Asketen. Kommen vorbei um zu frühstücken. Oder auf einen Melange. Verlangen die besten Kärntner Kasnudeln östlich von Klagenfurt. Bleiben auf ein Fluchtachterl. und noch eines ...


Und wo bleiben Sie ?

Amacord

Für Ditha und die crew

 

Sind es die Gespräche selbst, die im Amacord geführt werden und nur dort ? Man spricht, redet, flüstert und schreit über das Wieso, das Warum, das Was, das Wie, das Wann und Wodurch, das Weshalb, das Wieoftdennoch, das Warumdenüberhaupt, das Weswegendas, man spricht , redet, flüstert oder lacht über die Austellung im, oder wo, oder über das Dilemma der Malerei, das Dilemma der Architektur, das Dilemma der Philosophie, das Dilemma der Psychologie, das Dilemma der Ethnologie, das Dilemma des Sterbens, man redet, flüstert, flucht oder lobpreist das Wetter, das Klima, den Regen, den Schnee am Schneeberg, die Reisen in den Süden, nach Indien, nach Rom - einmal zu Ostern in Rom am Petersplatz sein - , die Reisen nach Budapest, nach Piber zu den Lipizzanern, den Flug zum Pluto, man diskutiert über das Sein auf der Erden, verflucht sich und die anderen, bringt das Thema Spielen aufs Tapet, Spielen als menschliches, als philosophisches, also existentielles, als persönliches Problem, flüstert über das Wort Schlafen, mit wem, warum, schlaflos schlafen, zu lange, zu kurz, tagelang, streitet über das Leben als Existenzproblem den Tod als Lebensproblem und redet über das Reden.

 

Der ausgesprochene Satz: Ich gehe jetzt ins Amacord, wiegt mehr als der Ausdruck Sich-in-ein-Cafe-Hinbegebens. Es ist der Ausdruck des Genughabens, der Ausdruck des Ein-paar-Stunden-nur-Kaffee-und-oder-Wein-Trinkens, der Ausdruck des Zeitungslesens oder der Ausdruck des Über-alles-und-nichts-mehr-wissen-Wollens. Man wird die Phänomenologie dieses Ortes nicht klären können. Und die Erforschung der Bedingtheit von Annehmlichkeiten ist von beiläufiger Bedeutung, solange die Zukunft und Gegenwart ein bestimmtes, gutes Gefühl erzeugen und solange man das genießt. Eines ist sicher. Das Amacord ist in seiner Atmosphäre – oder wie immer man einen angenehmen Zustand auch bezeichnet – von anderen Zielhäfen klar unterscheidbar. Er fällt aus der Reihe der gerade noch existierenden Cafes heraus. Vielleicht, weil es keines ist. Vielleicht, weil es ein mediterrane Bar am Naschmarkt ist, aber darüber hinaus Eigenschaften aufweist, die es zu etwas machen, das nciht mehr klassifizierbar ist: ein Zustand und Zustandswort: amarcord.

 

(Helmut Eisendle)